Die Motorenbaureihe Deutz F2L 912 (Zwei-Zylinder)

Deutz wies seinen Motoren z.B. dem Deutz F2L 912 zunächst Buchstaben zu. Die F-Baureihe ab 1889 stand zunächst für Gas-Ottomotoren, die die Baureihe „B“ ablösten. 1907 begann die komplizierte Motorenbenennung, die letztendlich bis ungefähr zur Jahrtausendwende Bestand hatte.

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Zuerst kommt nach dem Motorkennbuchstaben die Zylinderzahl, dann folgen mit dem „L“ die Kühlungseigenschaften (luftgekühlt), gefolgt von der konkreten Motorserie. Der Deutz F2L 912 ist ein luftgekühlter Zwei-Zylinder-Motor, der in seinem Kühlprinzip auf der Entwicklung des F4L 514, einem Motor, den Deutz als frostsicheren Motor für die Wehrmacht entwickelte. Diese Motoren kamen im Raupenschlepper Ost zum Einsatz. Nach Kriegsende gingen aus diesem Motor vom Ein- bis zum Sechs-Zylinder alle FL-Motoren hervor.

Besonderheiten des Deutz F2L 912

1968 ersetzte die Baureihe FL 912 die Baureihe FL 812. Gegenüber dem Vorgänger-Motor stieg das Volumen der Zylinder, außerdem wurden die Steuerventile (Einlass- und Auslassventil) vergrößert. Andere Komponenten wurden nun verstärkt. Die meisten Motoren sind Dieselmotoren. Neben dem Dieselmotor gab es auch einen Gas-Otto-Motor. Der FL 912 war wie bereits der Vorgänger als Zwei-, Drei-, Vier- und Sechs-Zylinder-Motor erhältlich.

Doch explizit beim Deutz F2L 912 kam es zu einer weiteren signifikanten Änderung. Der Deutz F2L 912 erhielt nun ebenfalls eine Direkteinspritzung. Auch ansonsten gab es gegenüber den Motoren ab drei Zylindern Unterschiede. Links war wie beim Vorgänger F2L 812S immer noch das kleine Axialgebläse zu finden. Außerdem unterschied den Zweizylinder die Verwendung einer Deutz Einspritzpumpe mit einer auf 2.500 U/min ausgelegten Drehzahlbegrenzung. Zudem ist beim Deutz F2L 912 das Kurbelgehäuse des Motors in Tunnelbauweise ausgeführt. Durch diese Tunnelbauweise konnte der Einbau des Motors als selbsttragendes Bauteil des Traktors erfolgen.

Merkmale der Baureihe FL912

Die Motoren waren als Einzelzylinder aufgebaut. Hoch belastete Ausführungen werden über Ölspritzdüsen am Kolbenboden gekühlt. Entsprechend unterschieden sich die Anforderungen an einen Ölkühler: ohne Ölkühler, mit Rippenkühler oder als Blockkühler. Signifikant auch die Einzelzylinder mit einzelnen Zylinderköpfe in Leichtmetallausführung.Die Ventile sind hintereinander und hängend angeordnet, was der Bauform geschuldet ist.

Daher (Einzelzylinder) benötigen die Motoren eine untenliegende Nockenwelle mit Stoßstangen und Kipphebeln. Die Kurbelwelle verfügt immer über ein Lager mehr als Zylinder, beim Zwei-Zylinder also drei KW-Lager. Bei den Deutz Einspritzpumpen für die Zwei-Zylinder handelt es sich ebenfalls um Einzeleinspritzpumpen, die aber ab 1982 durch eine Bosch Reiheneinspritzpumpe ersetzt wurden. Der Öffnungsdruck liegt bei den Direkteinspritzern bei ungefähr zwischen 175 und 180 bar.

Deutz F2L 912: Aufbau und Besonderheiten nach Einsatzbedingungen

Wie bei Deutz üblich, gab es den Deutz F2L 912 für unterschiedliche Anwendungen, beispielsweise als Stationär Motor oder für Traktoren. Entsprechend wurden der Deutz F2L 912 auch an die Belastung angepasst. So kam es, dass die bislang in allen F2 L912 verbaute Deutz Einspritzpumpe teilweise durch eine Bosch Einspritzpumpe ersetzt wurde. Waren Motoren für höhere Belastungen konzipiert, kam die Bosch Dieselpumpe zum Einsatz.

Sechs Jahre später wurden die Zwei-Zylinder jedoch eingestellt. Die Standardeinspritzung war das Direkteinspritzverfahren. Daneben gab es den Motor als FL 912 H als horizontalen bzw. geneigten Motor und als FL 912 W für das Wirbelkammer-Einspritzverfahren. Eingesetzt wurde der Deutz F2L 912 vor allem in Traktoren, Radladern, als stationärer Motor sowie als Schiffsantriebsmotor.

Technische Daten zum Deutz F2L 912, Daten nach Einsatz

Je nach Schlepper oder Traktor wurden die Motoren unterschiedlich eingesetzt:

  • ab 1968 bis unbekannt als Schiffsmotor, 25,5 PS, 2.150 U/min
  • ab 1968 bis unbekannt als „sonstiger Motor nach DIN6270 (beispielsweise stationäre Motoren), 26,5 PS, 2.300 U/min
  • ab 1968 bis unbekannt für Fahrzeugleistung nach DIN 70020 bzw. ECE R24 für Schlepper, Radlader usw., 32 PS, 2.500 U/min
  • 1968 bis 1974: T/D025, 22 bis 24 PS, 2.100 U/min, für Deutz D2506, Einspritzpumpe Deutz
  • 1968 bis 1982: T/D030, 28 bis 30 PS, 2.300 U/min, für Deutz D3006, 3006P und DX36V, Einspritzpumpe Deutz
  • 1982 bis 1988: T/D028, 29 PS (21 kW)), 2.300 U/min, für D2807, Einspritzpumpe Bosch (Reiheneinspritzpumpe)
  • 1982 bis 1988: T/D036, 34 PS (25 kW), 2.300 U/min, Deutz Trecker D3607, Einspritzpumpe Bosch (Reiheneinspritzpumpe)

Technische Grunddaten zum Deutz F2L912

Einheitliche technische Daten gibt es nicht. Diese unterscheiden sich nach Einsatzart und konkretem Motoraufbau.

Typ F2 L912
Bohrung / Hub (mm)100 mm mal 120 mm Hub
Gewicht (KG)255 kg
Verdichtung17
Bauzeit1968 bis 1988
Anm.Schiffsmotoren (AS), als „sonstiger Motor nach DIN6270 (A), für Fahrzeugleistung nach DIN 70020 bzw. ECE R24 (T), T/D025, T/D030, T/D028, T/D036
Leistung bei Drehzahl (PS(kW)/min?1) 35 bis 54 PS, von 2.000 bis 2.800 U/min
Drehmoment bei Drehzahl (mkp(Nm)/min?1)16,7(164)/1450 oder 17,8(175)/1600
Effektiver Druck (bar)7,3 oder 7,8

Welche Literatur ist bei der Reparatur und Restauration eines Deutz Traktor/Motor wichtig?

Wie bei jeder Fahrzeugrestauration sind verschiedene Datenbestände für eine professionelle Restaurierung bzw. Motorenrevision unerlässlich:

  • Werkstatthandbuch
  • Ersatzteilliste des Herstellers
  • Betriebsanleitung
  • technische Daten und Tabellenbücher

Im Werkstatthandbuch werden viele Reparaturen in Explosionszeichnungen dargestellt, teilweise in Arbeitsschritten dokumentieren. Um die Daten erfolgreich interpretieren zu können, ist die Ersatzteilliste unerlässlich, um die richtigen Bauteile zuordnen zu können. Betriebsanleitung und technische Daten wie in Tabellenbüchern informieren über Füllmengen von Medien (Wasser, Öle), Anzugsdrehmomente und andere Besonderheiten. Außerdem finden sich hier die einzelnen Typentabellen. Jeder Motor hat seine eigene Typentabelle und folglich andere Einstelldaten.

Welchen Preis muss ich heute für einen Deutz F2L 912 zahlen?

Eine verlässliche Angabe ist nicht möglich, da der Produktionszeitraum der ersten F2L 912 Motoren bis in die 1960er zurückreicht. Gleichzeitig wurde der Motor über 20 Jahre gebaut und stetig weiter entwickelt. Wie bei allen Oldtimer-Restaurierungen gilt auch für diesen Deutz Motor: je seltener und früher, umso teurer kann der Motor werden. Beispielsweise bei den Schiffsmotoren, deren Produktionszahlen zwar nicht bekannt sind, aber nicht allzu hoch sein dürften. Andererseits wurde diese Baureihe in sehr großen Stückzahlen produziert. Laut Deutz betrugen die Stückzahlen 1998 noch rund 2,7 Millionen Einheiten. Zusammen mit dem Nachfolger FL 913 2003 noch mehr als 3 Millionen und zusammen mit dessen Nachfolger FL 914 im Jahr 2007 noch 4,5 Millionen.